Hamburger Projekt

WEICHENSTELLUNG für Viertklässler hilft Schülerinnen und Schülern, die das Potenzial haben aber Unterstützung benötigen, beim Übergang von der Grundschule auf das Gymnasium oder eine andere weiterführende Schule. So stellt das Projekt Weichen für die Zukunft und für einen höheren Schulabschluss. Lehramtsstudierende – Mentorinnen bzw. Mentoren genannt – fördern und begleiten die ausgewählten Viertklässler, die so genannten Mentees, über einen Zeitraum von drei Jahren, von der vierten bis zur sechsten Klasse. Sie vermitteln ihnen wichtige Fähigkeiten für das selbstständige und wirksame Lernen. Sie helfen ihnen in zentralen Schulfächern und unterstützen auch individuelle Begabungen. Darüber hinaus sind die Mentorinnen und Mentoren Bezugsperson und Ratgeber in verschiedenen Lebensbereichen und unternehmen mit den Mentees regelmäßig Ausflüge und kulturelle Aktivitäten. Für die Schülerinnen und Schüler ist die Teilnahme am Programm kostenlos. 

Alle Beteiligten bei WEICHENSTELLUNG für Viertklässler profitieren: Die Schülerinnen und Schüler können ihre Potenziale besser entfalten, ihr Selbstbewusstsein wird gestärkt. Die Eltern werden bei der Förderung ihrer Kinder unterstützt. Sie erleben, dass ihre Kinder gute Leistungen in der Schule erbringen können und dass mit ihnen wertschätzend kommuniziert wird. Zudem erfahren die Klassenkameradinnen und Klassenkameraden der Mentees „durch Anschauung“, dass sich Lernen in der Schule auszahlt. Die Schulen wiederum können stärker auf die unterschiedlichen Begabungen der Kinder eingehen. Und die Lehramtsstudierenden sammeln praktische Erfahrungen für ihren zukünftigen Beruf als Lehrkraft und erwerben für ihre Mentorentätigkeit Fähigkeiten, die ihnen auch auf ihrem persönlichen beruflichen Weg weiterhelfen. 

303 Mentees, 100 Mentorinnen und Mentoren und 31 Partnerschulen haben seit der Gründung der Initiative im Jahr 2013 an WEICHENSTELLUNG für Viertklässler in Hamburg teilgenommen.

Aktuell unterstützen 56 Mentorinnen und Mentoren 158 Kinder von der vierten bis zu sechsten Klasse an neun Hamburger Grundschulen und rund 30 weiterführenden Schulen.

303

Mentees


haben seit der Gründung 2013 in Hamburg von WEICHENSTELLUNG für Viertklässler profitiert.
100

Mentorinnen und Mentoren


haben die Kinder beim Übergang von der Grundschule auf eine weiterführende Schule begleitet.
31

Partnerschulen


beteiligten sich bisher in Hamburg an dem Projekt.

Förderung

Eine Mentorin bzw. ein Mentor arbeitet mit drei Schülerinnen und Schülern, ausgewählt von der Klassenleitung der Partnerschule nach festgelegten Kriterien. Durchschnittlich begleiten die Studierenden ihre Mentees 18 Stunden im Monat. Gefördert wird wie folgt:

  • In der 4. Klasse zwei Stunden pro Woche im Unterricht und eine Stunde pro Woche in der Regel außerhalb des Unterrichts
  • In der 5. und 6. Klasse vier Stunden (verteilt auf zwei Tage) pro Woche außerhalb des Unterrichts


Fachliche und überfachliche Förderung

Die fachliche Förderung durch die Mentorinnen und Mentoren sieht folgendermaßen aus:

  • Unterstützung in der Regel in Deutsch, Mathe und Englisch, aber auch in anderen Fächern
  • Ergänzungsangebote (Vertiefung, Erweiterung und Ermöglichung von alternativen Themen)

Um sich das fachliche Wissen besser anzueignen und gesellschaftliche Teilhabe insgesamt zu ermöglichen, werden die Schülerinnen und Schüler auch in ihren überfachlichen Fähigkeiten gestärkt:

  • Vermittlung von ausgewählten Lernstrategien und -methoden (Einsatz des Ratgebers „Lernen zu lernen“)
  • Stärkung des Lern- und Arbeitsverhaltens
  • Stärkung der Selbstwirksamkeit sowie der Ausdauer, Lern- und Leistungsbereitschaft
  • Aufbau von Motivation und Selbstvertrauen
  • Stärkung von Kooperations- und Teamfähigkeit
  • Klärung der Ziele, die das Mentee erreichen möchte

Während der Förderung stimmen sich die Mentorinnen und Mentoren regelmäßig mit der Klassenleitung und dem WEICHENSTELLUNG-Team ab. Die Förderstunden und die Anwesenheit der Mentees dokumentieren sie in einem „Förderheft“, um die Entwicklung beobachten und nachvollziehen zu können. Gemeinsam mit der pädagogischen Leitung des Programms besprechen sie – in so genannten Supervisionen – die Förderung, bekommen Anregungen und Unterstützung.


Kulturprogramm und Ausflüge

Ergänzend zur Förderung gibt es ein kulturelles Begleitprogramm. Ziel ist es, den Mentees die Chance zur Teilhabe an Kultur und Bildung zu eröffnen. Einmal im Monat unternehmen daher die Studierenden mit ihren Mentees ein vierstündiges Kulturprogramm.

Das WEICHENSTELLUNG-Team stellt gemeinsam mit unterschiedlichen Hamburger Kultureinrichtungen und -anbietern ein abwechslungsreiches und altersgerechtes Kulturangebot zusammen. Daraus können die Mentorinnen und Mentoren gemeinsam mit ihren Mentees passende Aktivitäten auswählen. Das vielfältige Angebot – von Ausstellungen und Theatervorstellungen über Sportveranstaltungen und Tierparkbesuche bis hin zu Stadtführungen und Mitmachkursen – sichert ein ausgewogenes und abwechslungsreiches Begleitprogramm. Vor einer Veranstaltung bereiten die Studierenden ihre Mentees auf die kulturelle Aktivität vor, so dass sie motiviert und neugierig teilnehmen und etwas „für sich mitnehmen“.

Zudem erhalten alle Mentees einen Ausweis für die Hamburger Bücherhallen und es gibt ein Budget für Bücher und Arbeitsmaterialien. Je nach Bedarf und Wunsch vermitteln die Mentorinnen und Mentoren ihre Mentees auch in Sport- und Musikvereine.

Das Kulturprogramm und die gemeinsam unternommenen Ausflüge im Programm WEICHENSTELLUNG schaffen ein Miteinander, von denen nicht nur die beteiligten Studierenden und Kinder profitieren, sondern ebenso Eltern und Schulen.

Mentees

Die Auswahl

Derzeit nehmen in Hamburg acht Grundschulen an WEICHENSTELLUNG für Viertklässler teil. Die Klassenleitungen der dritten Klassen informieren Schülerinnen und Schüler sowie ihre Familie über das Projekt und empfehlen Kinder – sofern die Eltern ihr Einverständnis gegeben haben – für die Aufnahme in das Programm. Dabei orientieren sie sich an folgenden Kriterien:

Teilnehmen können Viertklässler, die …       

  • mehr Unterstützung benötigen, als es in ihrem familiären Umfeld möglich ist,
  • eine erkennbare Lern- und Leistungsbereitschaft sowie Potenzial für einen höheren Schulabschluss mitbringen,
  • motiviert sind, die verabredeten Hilfen und Unterstützungsangebote – auch die begleitenden kulturellen Angebote – anzunehmen und die
  • bereit sind, regelmäßig an der fachlichen Förderung und dem Kulturprogramm teilzunehmen.

Zur Unterstützung wird den Lehrpersonen bei der Auswahl der Kinder ein entsprechender Screening-Bogen an die Hand gegeben.


So profitieren die Mentees

Sie...

  • lernen, zu lernen – strukturiert, konzentriert und zielgerichtet.
  • werden schulisch gezielt gefördert und vielfältig angeregt, den eigenen Erfahrungshorizont zu erweitern.
  • werden in ihrem Selbstbewusstsein, in ihrer Selbstwirksamkeit und ihrer Eigeninitiative gestärkt.
  • lernen wichtige Fähigkeiten fürs Leben – wie Verbindlichkeit, Pünktlichkeit, respektvoller Umgang und Konsequenz.
  • haben mit ihrem Mentor einen Begleiter, der sie auf ihrem persönlichen Bildungsübergang individuell unterstützt und ihnen bei vielen Fragestellungen und Herausforderungen – schulischer, persönlicher oder familialer Art – als Ansprechpartner zur Seite steht.

Mentoren

Die Auswahl

Für die Auswahl der Mentorinnen und Mentoren gelten grundsätzlich folgende Kriterien:

Teilnehmen können Personen, die …                          

  • leistungsstarke Studierende des Lehramts (B.A. oder M.A.) mit pädagogischer Erfahrung sind,
  • ein hohes Interesse daran haben, während ihres Studiums intensive Praxiserfahrungen zu sammeln und diese in den begleitenden Supervisionen bzw. Coachings sowie Begleitseminaren und Fortbildungen zu reflektieren,
  • ein hohes Maß an Kindorientierung zeigen,
  • zusätzlich zu ihrem Studium Orientierung, Kompetenzerweiterung und Professionalisierung anstreben und die
  • sich gesellschaftlich engagieren wollen.

 

So profitieren die Mentorinnen und Mentoren

Sie...

  • erwerben pädagogische Kompetenzen.
  • gewinnen grundlegende Kompetenzen für die Aufgaben als Mentorin/Mentor.
  • erfahren, wie sie ihre Mentees zum Lernen motivieren können.
  • sammeln praktische Erfahrungen für den zukünftigen Beruf.
  • können sich an der Universität Hamburg ihre Mentorentätigkeit im Programm WEICHENSTELLUNG als Integriertes Schulpraktikum im BA-Studium anerkennen lassen.
  • nehmen an einem Einführungsseminar (3 Module: 1. Mentoring – Transition – Projektarbeit, 2. Elternarbeit als Mentor/in, 3. Lernen, wie man lernt) teil, das sie gut auf ihre Tätigkeit vorbereitet.
  • können sich in den monatlichen Supervisionen an der Universität Hamburg mit anderen Mentorinnen und Mentoren und der pädagogischen Leitung des Projekts über ihre Erfahrungen austauschen und Feedback einholen.
  • erhalten eine Aufwandsentschädigung.


An der Universität Hamburg haben die Mentorinnen und Mentoren die Möglichkeit, in einer Forschungswerkstatt (eine zweisemestrige Veranstaltung im Master-Modul) erste Grundlagen eigener empirischer Forschungsmethoden kennenzulernen. Die Universität bietet zudem die Möglichkeit, dass die Studierenden ihre Erfahrungen im Projekt WEICHENSTELLUNG in Seminar- und MA-Arbeiten einfließen lassen und damit ETCS (credit points) erwerben können.

„WEICHENSTELLUNG ist für mich Beziehungsarbeit. Ich möchte für meine Mentees eine Schnittstelle zwischen verschiedenen Lebensbereichen sein, um ihnen so den Übergang von der Grundschule zur weiterführenden Schule, aber auch von der Kindheit zur beginnenden Pubertät zu erleichtern. Das Tolle an der gemeinsamen Arbeit ist, dass die Mentees hoffentlich von den Gesprächen mit mir profitieren und ich andererseits ebenfalls bereichert werde.“

(Elisabeth Gajare, Mentorin)

Partnerschulen

Die Partnerschulen benennen gegenüber der ZEIT-Stiftung einen Ansprechpartner, der das Projekt von Schulseite her koordiniert und die Informationsschnittstelle für die beteiligten Klassenlehrkräfte, die Mentorinnen und Mentoren sowie das WEICHENSTELLUNG-Team der ZEIT-Stiftung bildet.

Die Mentorinnen und Mentoren arbeiten eng mit den jeweiligen Klassenlehrkräften zusammen und treffen sich monatlich mit den anderen Mentorinnen und Mentoren des jeweiligen Jahrgangs zu Supervisionen, durchgeführt von der Pädagogischen Leitung des Programms.

Hier finden Sie eine Liste der weiterführenden Schulen, die das Projekt WEICHENSTELLUNG unterstützen.

Sie haben Interesse, mit Ihrer Hamburger Schule bei WEICHENSTELLUNG dabei zu sein? Dann melden Sie sich beim WEICHENSTELLUNG-Team.

WEICHENSTELLUNG-Team

Gesamtkoordination
Dr. Tatiana Matthiesen
Bereichsleiterin Bildung und Erziehung
ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd
Bucerius, Hamburg
E-Mail: matthiesen@zeit-stiftung.de
Projektkoordination
Katrin Wischert
Referentin Bildung und Erziehung
ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd
Bucerius, Hamburg
E-Mail: wischert@zeit-stiftung.de
Rechnungswesen
Judith Strand
Projektassistenz 
ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd
Bucerius, Hamburg
E-Mail: strand@weichenstellung.info


Pädagogische Leitung (extern)

Pädagogische Leitung und Beratung
Prof. Dr. Thomas Trautmann
Erziehungswissenschaftler
Universität Hamburg
E-Mail: thomas.trautmann@uni-hamburg.de
Pädagogische Beratung
Marielle Micha
Grundschulpädagik
Universität Hamburg
E-Mail: marielle.micha@uni-hamburg.de

Partner und Förderer

Das Projekt WEICHENSTELLUNG für Viertklässler realisiert die ZEIT-Stiftung in Kooperation mit der Dürr-Stiftung, der Jürgen Sengpiel Stiftung, der Harold A. und Ingeborg L. Hartog Stiftung, der Hans-Dornbluth-Stiftung und mit Unterstützung der Privatbank Hauck & Aufhäuser sowie der Buch- und Filmautorin Gisela Graichen.